{"id":1971,"date":"2026-02-26T12:00:00","date_gmt":"2026-02-26T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/csi-staging.redaxis.eu\/news\/die-bewertung-der-pflanzenkohle-persistenz\/"},"modified":"2026-10-08T15:04:13","modified_gmt":"2026-10-08T13:04:13","slug":"die-bewertung-der-pflanzenkohle-persistenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carbon-standards.com\/de\/news\/die-bewertung-der-pflanzenkohle-persistenz\/","title":{"rendered":"Die Bewertung der Pflanzenkohle-Persistenz"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die neue Bewertung der Pflanzenkohle-Persistenz ist eine Innovation von Carbon Standards International. Der Inhalt wurde vom Ithaka-Institut mit der wissenschaftlichen Fachwelt koordiniert und basiert zudem auf verschiedenen wissenschaftlichen Publikationen. Die neue oberste Persistenz-Klasse der Pflanzenkohle weist einen Anteil von Geologisch Persistentem Kohlenstoff (GPC) von 90 % auf. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Struktur von Pflanzenkohle<br \/><\/strong>Die Hauptstruktur von Pflanzenkohle besteht \u00fcberwiegend aus aromatischen Ringen, die strukturelle Einheiten aus sechs Kohlenstoffatomen sind. Wasserstoff ist an diese Kohlenstoffatome an den \u00e4usseren R\u00e4ndern gebunden. Diese Ringe sind zu Clustern verschmolzen, sodass benachbarte Ringe entlang ihrer Kanten Kohlenstoffatome teilen und damit der Wasserstoffgehalt mit der Clustergr\u00f6sse reduziert wird. In Cluster verschmolzene aromatische Ringe variieren in Gr\u00f6sse, Komplexit\u00e4t und Grad der strukturellen Organisation. Die biologische und chemische Stabilit\u00e4t von Pflanzenkohle nimmt mit zunehmender Aromatisierung, zunehmender Kondensation des aromatischen Rings und zunehmender struktureller Ordnung der aromatischen Ringe zu.<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Obwohl keine Kohlenstofffraktion als vollst\u00e4ndig inert betrachtet werden kann, erh\u00f6ht eine zunehmende aromatische Kondensation und Ordnung die Stabilit\u00e4t der Verbindungen erheblich (Schmidt et al., 2025).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Pflanzenkohle-Kohlenstoffanteile, die von solch stark kondensierten, aromatischen Strukturen dominiert werden, zeigen eine deutlich erh\u00f6hte Wahrscheinlichkeit, mehr als 1000 Jahre nach der Anwendung im Boden zu \u00fcberleben, was durch Beobachtungen von antiker Holzkohle und pyrogenem Kohlenstoff \u00fcber Jahrtausende in B\u00f6den und Sedimenten unterst\u00fctzt wird (Howell et al., 2022). Persistenz \u00fcber diesen Zeitraum hinaus wird \u00fcblicherweise als \u00dcbergang vom kurz- und mittelfristigen Kohlenstoffkreislauf in den geologischen Kohlenstoffkreislauf betrachtet (Schmidt und Hagemann, 2024; Schmidt und Noack, 2000). Kohlenstoff aus Pflanzenkohle, der diese Persistenz erreicht, kann daher, als geologische Kohlenstoffsenke betrachtet werden, wobei anerkannt wird, dass diese Klassifikation eine probabilistische Bewertung langfristiger Stabilit\u00e4t und nicht der absoluten Best\u00e4ndigkeit widerspiegelt (siehe auch Kapitel 2.2 des Global Biochar C-Sink Standard).<\/p>\n<p><strong>Der probabilistische Ansatz<br \/><\/strong>Der Global Biochar C-Sink Standard definiert keinen separaten physikalischen Anteil an Kohlenstoff, von welchem angenommen wird, \u00fcber mehr als 1000 Jahre inert zu bleiben. Stattdessen unterscheidet der Standard zwischen zwei Kohlenstoffsenken-Pools basierend auf den Persistenz-Wahrscheinlichkeiten nach der Anwendung der Pflanzenkohle im Boden. In der Version 3.2 des Global Biochar C-Sink Standard wurden diese Pools als persistenten-aromatischer Kohlenstoff (PAC) und semi-persistenten Kohlenstoff (SPC) bezeichnet. Um Missverst\u00e4ndnisse durch die Bedeutung des Begriffs \"aromatisch\" zu vermeiden, ersetzen wir den Begriff in der kommenden Version, und schon im aktuellen Anhang, durch den Begriff Geologisch Persistenten Kohlenstoff (GPC).<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>GPC bezeichnet den zugewiesenen Anteil des Kohlenstoffs in Pflanzenkohle, der mit hoher Wahrscheinlichkeit \u00fcber 1000 Jahre nach der Bodenanwendung hinaus bestehen bleibt und somit in den geologischen Kohlenstoffkreislauf eintritt. Der Anteil des Kohlenstoffs, welcher eine tempor\u00e4re Kohlenstoffspeicherung darstellt und voraussichtlich innerhalb von 1000 Jahren nach Bodenanwendung zu CO2 oxidiert wird, wird weiterhin als SPC bezeichnet, wobei auch seine Abbaufunktion unver\u00e4ndert bleibt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><strong>Analytische Methoden<br \/><\/strong>Die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmtes polyaromatisches Cluster l\u00e4nger als 1000 Jahre bestehen bleibt, steigt mit der Gr\u00f6sse des Clusters und der strukturellen Ordnung. GPC und SPC stellen keine chemisch unterschiedlichen oder scharf trennbaren Fraktionen dar, sondern probabilistische Pools, die unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten einer langfristigen Persistenz widerspiegeln.<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Um die relativen Gr\u00f6ssen der GPC- und SPC-Pools f\u00fcr Pflanzenkohle m\u00f6glichst genau abzusch\u00e4tzen, sind analytische Modelle auf Basis leicht quantifizierbarer Eigenschaften erforderlich. Die beiden Methoden, ramdom reflectance (Ro) und hydropyrolysis (HyPy) k\u00f6nnen verwendet werden, um in Kombination mit unseren wissenschaftlichen Methoden zuverl\u00e4ssig Kohlenstoffpools und Persistenzklassen zu bestimmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Unsere akkreditierten Labore sind bereit, die Analysen durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Die oberste Persistenzklasse von Pflanzenkohle<br \/><\/strong>In den vergangenen Jahren haben zus\u00e4tzliche analytische Methoden - insbesondere random reflectance (Ro) und hydropyrolysis (HyPy) - einen umfangreichen und konsistenten Datenbestand ergeben. Diese Methoden erm\u00f6glichen eine genauere Identifizierung von Pflanzenkohlen, bei denen der Anteil des reaktiven Kohlenstoffs aussergew\u00f6hnlich niedrig ist und die Wahrscheinlichkeit einer hohen Persistenz entsprechend hoch ist.<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Basierend auf den erweiterten analytischen Daten stellen wir in einem laufenden Pilotprojekt eine neue \"Oberste Persistenzklasse von Pflanzenkohle\" vor. Die neue oberste Persistenz-Klasse der Pflanzenkohle weist einen Anteil von Geologisch Persistenten Kohlenstoff (GPC) von 90 % auf.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Nach einer \u00f6ffentlichen Konsultation im ersten Quartal 2026 wird erwartet, dass der Global Biochar C-Sink Standard in der Version 4 neue Persistenzklassen basierend auf diesen neuen analytischen Methoden enthalten wird.<\/p>\n<p><strong>Verkn\u00fcpfte Dokumente<\/strong> <a href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1111\/gcbb.70092\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Policy Commentary on Biochar Persistence<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ithaka-institut.org\/en\/publications\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ithaka Institute Webseite<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.ithaka-journal.net\/en\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Journal<\/a><\/p>\n<p><a href=\"\/docs\/transfer\/4000039EN.pdf\">Global Biochar C-Sink<\/a><\/p>\n<p><a href=\"\/docs\/6e8cc2a53cc7c604d3ee72f45c8eaa41_4000233EN.pdf\">Annex<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die neue Bewertung der Pflanzenkohle-Persistenz ist eine Innovation von Carbon Standards International.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1970,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[40],"tags":[],"class_list":["post-1971","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-research-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.carbon-standards.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1971","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.carbon-standards.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.carbon-standards.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.carbon-standards.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.carbon-standards.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1971"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.carbon-standards.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1971\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2101,"href":"https:\/\/www.carbon-standards.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1971\/revisions\/2101"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.carbon-standards.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1970"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.carbon-standards.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1971"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.carbon-standards.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1971"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.carbon-standards.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1971"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}